Lass uns reden, Nordstadt!

Das NRWision-Stadtgespräch in der Dortmunder Nordstadt

Chancenungleichheit in der Dortmunder Nordstadt

Deine Meinung will doch sowieso niemand hören? Das stimmt nicht, wir wollen wissen, was du denkst! Deshalb laden wir die Menschen bei "Lass uns reden" zum Stadtgespräch ein. Ob du findest, dass alles super ist oder meinst, dass alles schlimmer wird: Lass uns gemeinsam darüber reden.

In der zweiten Ausgabe unseres Stadtgesprächs "Lass uns reden" ging es um "Chancenungleichheit in der Dortmunder Nordstadt". Am 28. Februar 2024 sprachen wir im Theater im Depot über Bildungsungleichheit, Jobchancen und Armut im Dortmunder Norden. In unserem Diskussionsformat durften die Teilnehmenden über alles reden, was sie in der Nordstadt bewegt.
 

Lass uns reden lädt Bürger*innen und Expert*innen ein

An der Gesprächsrunde nahmen verschiedene Expert*innen für Armut, Bildung, Politik, Wissenschaft und Chancenungleichheit teil:

  • Hannah Rosenbaum, Bezirksbürgermeisterin (Bündnis 90/Die Grünen) im Bezirk Innenstadt-Nord
  • İzel Kahraman, gemeinnützige Organisation "ArbeiterKind.de" in Dortmund
  • Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach, Dozent für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpolitik an der FH Münster
  • Fatma Karacakurtoğlu, Flüchtlingshilfeverein "Train of Hope Dortmund e. V."

Organisiert wurde das Stadtgespräch "Lass uns reden" von der Bürgermedienplattform und dem TV-Sender NRWision - in Kooperation mit Studierenden des Instituts für Journalistik der TU Dortmund.

Du hast Fragen, Anregungen, Bedenken oder möchtest, dass "Lass uns reden" in deine Stadt oder deinen Stadtteil kommt? Dann schreibe uns eine Mail an townhall@tu-dortmund.de.

Das Stadtgespräch in voller Länge

Die Expert*innen im Kurzinterview

İzel Kahraman – ArbeiterKind.de

İzel Kahraman ist ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der gemeinnützigen Organisation „ArbeiterKind.de“. Die gebürtige Gladbeckerin studiert Erziehungswissenschaften mit dem Nebenfach Psychologie. Sie sagt: „Ich habe selbst aufgrund meines Migrationshintergrundes Erfahrungen mit ungleicher Behandlung auf dem Bildungsweg machen müssen. Mit meiner Arbeit bei ,ArbeiterKind‘ möchte ich helfen, solche sozialen Ungleichheiten abzubauen.“

Bei „ArbeiterKind.de“ werden Abiturient*innen unterstützt, die in erster Generation studieren. Mit welchen Problemen sehen sich die Menschen, die zu „ArbeiterKind“ kommen, konfrontiert?

Kahraman: Viele wissen nicht, wie ein Studium funktioniert, wie man es finanziert oder ob es das richtige für sie ist. Sie haben keine Personen, mit denen sie sich austauschen können, wenn die Eltern keinen akademischen Hintergrund haben. ,ArbeiterKind‘ möchte diese Ansprechpersonen ersetzen und auch Fragen rund um das Studium und Stipendien klären. Ich möchte Menschen in einer solchen Lage Mut machen und sie ermutigen, ihren Weg zu gehen.

Was hoffen Sie, aus dem Stadtgespräch „Lass uns reden“ mitzunehmen?

Kahraman: Ich hoffe, dass ich auch von den Gäst*innen neue Perspektiven kennenlerne und ihre eigenen Standpunkte reflektieren kann. Ich möchte das Publikum aber auch für Lösungsvorschläge sensibilisieren.

Foto: Lia Staniewski

Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach – Professor für Politikwissenschaft und Sozialpolitik

Sebastian Kurtenbach ist Professor für Politikwissenschaften und Sozialpolitik an der Fachhochschule Münster. Seit zehn Jahren befasst der ehemalige Sozialarbeiter im Bereich Quartiersmanagement in Dinslaken sich in seinen wissenschaftlichen Studien immer wieder mit der Dortmunder Nordstadt. Unter anderem hat er bereits Themenschwerpunkte wie Zuwanderungen, Jugendkriminalität und Nachbarschaftsverhältnis in der Dortmunder Nordstadt untersucht. Dabei interessiert ihn vor allem zu untersuchen, wie Menschen zusammenleben. Kurtenbach sagt: „Indem man das Zusammenleben untereinander fördert, kann man versuchen die Welt ein bisschen besser zu machen.“

Herr Kurtenbach, welche Probleme konnten Sie durch Ihre Studien in der Dortmunder Nordstadt identifizieren?

Kurtenbach: Die Nordstadt ist wie ein Spiegel der Herausforderungen der Gesellschaft. Dabei ist sie nicht nur ein Problemviertel, wie viele immer sagen. Sie ist auch ein Raum für Chancen. Neben der großen sozialen Ungleichheit und den sichtbaren Folgen globaler Krisen, wie der großen Zuwanderung aus Kriegsgebieten, sehen wir in der Nordstadt auch eine große Offenheit gegenüber diesen Themen und Menschen. In der Dortmunder Nordstadt liegen Chancen und die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg und das mehr als in anderen Teilen. Das ist vielleicht auch, was die Nordstadt so besonders macht.

Was würden Sie gerne aus dem Stadtgespräch mitnehmen?

Kurtenbach: Ich erhoffe und wünsche mir einen neuen und aktualisierten Einblick zu bekommen, wie die Menschen in der Dortmunder Nordstadt ihr Zusammenleben erleben. Mich interessiert vor allem nach meiner zehnjährigen Arbeit zur Nordstadt, welche Erfolge es gibt, aber auch welche Probleme immer noch bestehen.

Foto: Lia Staniewski

Hannah Rosenbaum – Bezirksbürgermeisterin Dortmunder Nordstadt

Hannah Rosenbaum ist Bezirksbürgermeisterin der Dortmunder Nordstadt. Mit ihrem Sieg bei den Kommunalwahlen 2020 ist sie die erste Bürgermeisterin für die Grünen im Stadtteil. Hannah Rosenbaum lebt bereits seit zehn Jahren im Dortmunder Norden. Schon während ihres Studiums an der TU Dortmund hat sie sich als ASTA-Sprecherin, im Studierendenparlament und im Aufsichtsrat des Studierendenwerks auch bundesweit engagiert. „Ich wollte nicht immer meckern, sondern mitmachen!“ Der Wahlsieg bei den Kommunalwahlen 2020 mit den Grünen kam für sie überraschend. „Es war der erste Wahlsieg für das Bündnis.“ Vor allem der Austausch mit den Bürger*innen ist Rosenbaum wichtig.

Frau Rosenbaum, im Austausch mit den Bürger*innen und der täglichen Arbeit kommen immer wieder Probleme auf, die die Nordstadt umtreiben. Welche Probleme sind besonders dominant?

Rosenbaum: Die hohe Armut und Bildungsungerechtigkeit in der Stadt kann man nicht allein bewältigen, da brauche man Hilfe von höheren politischen Ebenen. Auf der kleinen Ebene sind es vor allem Themen wie Sauberkeit und die generelle Sicherheit, die viele Bürger*innen ansprechen. Das subjektive Empfinden der Nordstadt müsse verbessert werden, vieles ist zugebaut und der viele Verkehr machten eine Neugestaltung des öffentlichen Raums immer wichtiger.

Welche neuen Perspektiven könnte das Stadtgespräch "Lass uns reden" Ihnen eröffnen?

Rosenbaum: Ich erhoffe mir vor allem neue Perspektiven zur Nordstadt. Ich möchte durch den Austausch meine eigene Sicht erweitern und hoffe möglichst viele Anregungen zu bekommen, wo man noch anpacken kann. Ich hoffe Hinweise zu erhalten, wo noch zu wenig getan wird und somit eine Perspektive auf die Nordstadt zu erhalten, die ich noch nicht kenne. Nur so kann man die Arbeit in und an der Nordstadt verbessern.

Foto: Lia Staniewski

Fatma Karacakurtoğlu - Train of Hope

Fatma Karacakurtoğlu ist die Gründerin der Migrantenselbstorganisation "Train of Hope", die in der Dortmunder Nordstadt ansässig ist. Sie selbst hat eine lange Zeit in der Nordstadt gelebt. Karacakurtoğlu sagt: "Ich liebe die Nordstadt so, wie sie ist." Train of Hope setzt sich für die Themen Flucht und Migration ein und unterstützt Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft Diskriminierung erfahren müssen. Aber auch Themen wie Kinder, Jugendliche und Gender und LGBTQIA* werden von der Organisation unterstützt. "Ich habe Train of Hope im Rahmen der Willkommenskultur gegründet, weil wir gesehen haben, wie viel Bedarf die Menschen haben. Ich weiß, wie viel meine Familie durchgemacht hat und ich wollte nicht, dass das Gleiche auch vielen anderen passiert", so Karacakurtoğlu.

Frau Karacakurtoğlu, mit welchen Problemen kommen die Menschen zu Train of Hope?

Karacakurtoğlu: Da kommt alles zusammen: Probleme mit der Wohnung, der Arbeit, Schule, mit dem Studium und mehr. Leider kommen auch Ausgrenzung und Diskriminierung dazu. Diese Probleme betreffen alle Altersgruppen. Die Nordstadt ist schließlich auch der kinderreichste Stadtteil.

Was würden Sie gerne aus dem Stadtgespräch mitnehmen?

Karacakurtoğlu: Ich hoffe, eine Bestätigung zu bekommen, dass der Weg, den wir gehen, auch richtig ist und wir nicht irgendetwas verpasst haben. Die Nordstadt ist ein toller Stadtteil, hat aber viele Probleme. Wir müssen den Menschen immer eine Chance geben. Nur wenn das passiert, können wir diese Menschen einbinden und zusammen die Gesellschaft prägen. Das ist unser Ziel.

Foto: Lia Staniewski

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