Text: Maximilian Hartmann
Die Kamera ist nur ein Werkzeug. Der Umgang mit ihr entscheidet darüber, wie gut die eigenen Fotografien und Videos werden. Was sind also die wichtigsten Funktionen einer Kamera, die man verstehen sollte? Das erklärt die neue Serie „Die Kamera als Werkzeug: Wie du das Beste aus deinem Equipment holst“. Im zweiten Teil geht es um Objektive und die Wirkung von verschiedenen Brennweiten.
In Teil I dieser Reihe hast du gelernt, wie du Grundeinstellungen deiner Kamera nutzen kannst, um bessere Bilder aufzunehmen. Tatsächlich ist aber ein Werkzeug für die Aufnahme von Bildern fast noch wichtiger als die Kamera selbst: das Objektiv. Denn: Welches Objektiv wir nutzen, entscheidet darüber, wie unser Bild wirkt.
Dabei haben Objektive nicht nur verschiedene Brennweiten (diese wird immer in Millimetern, bei alten Optiken auch in Zentimetern, angegeben), sondern auch unterschiedliche Blenden und einen eigenen „Look“.
Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Objektiven, die wir nutzen können: Zoom-Optiken und Festbrennweiten, auch Primes genannt. Wie der Name schon verrät, haben Zoom-Objektive eine variable Brennweite. Hierbei gibt es sogenannte Standardzooms (meistens im Bereich 24-70mm), Telezooms (>80mm) und Weitwinkelzooms (<24mm). All diese Brennweiten gibt es entsprechend auch als Primes.
Welche Brennweite eignet sich also am besten für was? Bei Weitwinkelobjektiven ist das aufgenommene Sichtfeld sehr groß und wird über den Telebereich hinweg immer kleiner. Die Hauptkamera in deinem Smartphone zum Beispiel ist ein Weitwinkelobjektiv.
Weitwinkelobjektive sind sehr gut dafür geeignet, ganze Szenerien einzufangen, beispielsweise Landschaften oder Gebäude. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass Objektive Bilder auch verzerren können. Eine 16mm-Optik streckt das Bild, sodass ein leichter bis starker Fischaugeneffekt entsteht, während beispielsweise eine 300mm-Linse das Bild staucht, sodass Hintergrund und Vordergrund näher zusammenrücken. Wie genau sich das auf ein Gesicht auswirkt, haben wir einmal getestet.
Manche Brennweiten hingegen verzerren Bilder so, dass die Verzerrung der natürlichen Verzerrung im Auge am nächsten kommt. So wird besonders der Brennweitenbereich von 50-80mm häufig für Porträts genutzt, da er besonders natürlich wirkt. Wenn du einen natürlichen Look mit deinen Bildern erzeugen willst, eignen sich demnach Standardbrennweiten besonders gut.
Im Tele-Bereich werden die Einsatzszenarien sehr viel spezifischer, da der kleine Bildausschnitt es schwieriger gestaltet, Subjekte vollständig ins Bild zu bekommen. Besonders im Videobereich sind lange Teleobjektive relativ selten in Verwendung, wohingegen Wildtier- oder Sportfotografien ohne solche Linsen viel schwieriger zu erzielen sind.
Der Vorteil an Zoom-Objektiven ist die Flexibilität bezüglich der Brennweiten. Man braucht nur ein Objektiv und muss die Linse nicht wechseln, wenn man das Sichtfeld ändern möchte. So kann man das eigene Kamerasetup kompakter halten, auch wenn Festbrennweiten oft kleiner und leichter sind. Auf der anderen Seite sind Zoomobjektive teurer als Festbrennweiten und ihre Lichtstärke, also die maximale Blende, ist meistens ebenfalls geringer, wodurch sie sich weniger für dunklere Lichtsituationen eignen.
Grundsätzlich ist die Wahl des passenden Objektivs sehr individuell. Es gibt keine „perfekte“ Linse, keine richtige Lösung, die für jede*n passt. Es hilft also, sich zu überlegen, in welchen Situationen man Aufnahmen machen möchte – und wovon. Für Reisevideograf*innen beispielsweise könnte ein kleines Zoomobjektiv eine gute Option sein oder eine lichtstarke Festbrennweite im Bereich um 35mm.
Generell gilt: Linsen haben Charakter und genau aus diesem Grund ist es ratsam, Beispielbilder und/oder Reviews zurate zu ziehen, wenn man sich unsicher ist. Denn: Bei Objektiven verhält es sich ähnlich wie bei Kameras und Fotograf*innen. Während ein guter Fotograf mit einer mittelmäßigen Kamera immer noch gute Bilder schießen kann, wird die Bildqualität einer professionellen Kamera niemals ihre beste technische Performance mit einer schlechten Linse zeigen können.
Wenn du dich schon etwas mehr mit Objektiven auseinandergesetzt hast, ist dir vielleicht die Abkürzung VR aufgefallen. Sie steht für Vibration Reduction. Bei manchen Objektiven ist auch von OSS die Rede, also Optischer Bildstabilisierung.
Wenn du dir Videos anschaust, wirst du schnell feststellen, dass die Kamera häufig sehr ruhig bewegt wird – ohne unkontrolliertes Wackeln oder Hin- und Herschwenken.
Hier kommen Stabilisatoren ins Spiel. Die günstigste und wahrscheinlich auch einfachste Variante, ein ruhiges Bild zu bekommen, ist mithilfe eines Stativs. Der Nachteil hieran ist natürlich, dass sich die Kamera mit einem Stativ auf ihrer Position nur schwenken oder neigen lässt. Nichtsdestotrotz ist das Stativ sowohl für viele Fotograf*innen als auch Videograf*innen ein essentielles Werkzeug.
Die interne Stabilisierung wird als VR oder OSS angegeben und kann sowohl in der Kamera als auch im Objektiv stattfinden. Wie stark Bewegung ausgeglichen werden kann, wird dabei in Stops/Blendenstufen angegeben. Je mehr Stops, desto höher die mögliche Stabilisierung.
Ein Beispiel: Die Spitzenreiter bezüglich interner Bildstabilisierung machen mit zehn Stops sogar Langzeitbelichtungen aus der Hand möglich. Die meisten Kameras haben jedoch fünf bis sechs Stops, was für die meisten Situationen voll und ganz ausreichend ist. Interne Stabilisierung wird dadurch möglich gemacht, dass interne Komponenten der Kamera oder des Objektivs beweglich sind. Mit beispielsweise Bewegungsdaten über Neigung der Kamera werden diese gemessen und bestmöglich von Kamera oder Objektiv ausgeglichen, sodass das Bild ruhiger wird.
Falls aber die interne Stabilisierung in Kamera und/oder Objektiv nicht für deine Produktion ausreicht, hilft ein Kameragimbal. Dieser gleicht das Gewicht der Kamera so aus, dass es möglichst gerade und ausbalanciert ist. Der Vorteil daran ist, dass man mit Gimbals sehr schnell interessante und auch ruhige Aufnahmen drehen kann. Nachteile bestehen unter anderem in der Kalibrierungszeit und den hohen Kosten für größere Kameras.
Dir gefällt unsere Serie? In Teil III geht es darum, warum Ton wichtiger ist, als viele denken. In Teil III erfährst du auch, welches Mikrofon das richtige für dich ist.