Radio Iserlohn unterwegs: Sebastian Gorki, Opfer der Anschläge am 11. September 2001

Sendung vom Förderverein Lokalfunk Iserlohn e.V. (FÖLOK)

Am 11. September 2001 verübten Terroristen Anschläge auf das "World Trade Center" in New York City. Sebastian Gorki aus Iserlohn arbeitete damals als Banker in den USA. Ausgerechnet am Tag des Anschlags hatte er einen spontanen Termin in den Zwillingstürmen des "World Trade Centers". Marlis Gorki spricht in "Radio Iserlohn unterwegs" mit Moderatorin Charlotte Kroll über ihren Sohn Sebastian Gorki und seinen Tod. Wie war er als Kind, wie als Erwachsener? An welche Erinnerungen denkt sie gerne zurück? Sebastian Gorki hat seinen Eltern trotz des plötzlichen Todes ein Enkelkind geschenkt. Wie sich das anfühlt und wie Marlis und ihr Mann um ihren Sohn trauern, verrät die Mutter im Interview.

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Infos: Förderverein Lokalfunk Iserlohn e.V.

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Kommentare

  • Sandra Weske
  • 14. September 2026
  • 07:45
Ich finde diesen Beitrag sehr berührend, weil ich Sebastian darin an vielen Stellen wiedererkenne. Besonders als seine Mutter über „Schicksal oder nicht?“ und den Gedanken „zur falschen Zeit am falschen Ort“ sprach, wurde mir heiß und kalt.

Nach einer Schießerei an einer Bushaltestelle in Iserlohn, an der wir damals selbst häufig standen, waren wir Mädels völlig aufgewühlt. Wir malten uns aus, dass auch wir dort hätten stehen können, und diskutierten über Schicksal und Zufall. Sebastian begegnete unserem ganzen Schicksalsdenken mit seiner typischen Nüchternheit und seinem trockenen Humor – sinngemäß: „Schnickschnack. Es gibt kein Schicksal. Man ist einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Darüber haben wir noch stundenlang diskutiert. Als seine Mutter nun genau diese Worte benutzte, war diese Erinnerung plötzlich wieder ganz nah.

Ähnlich ging es mir bei einem unserer Abitreffen. Dort begegnet man Veränderungen: Der eine erzählt von seiner Karriere, die andere von ihrem neuen Leben – und manche zeigen sehr deutlich, was inzwischen aus ihnen geworden ist. Für mich selbst war die Zeit an dieser Schule oft ein Kampf. Sebastian aber gehörte zu den Menschen, mit denen ich dort wirklich etwas geteilt hatte: gemeinsame Erlebnisse, Gespräche und echte Freude.

Und ausgerechnet er war nicht da.

Es dauerte keine zwei Minuten, bis einer aus unserer Stufe vor mir stand und nur sagte: „Unfassbar, oder?“ Mehr Worte brauchte es in diesem Moment nicht. Später haben wir lange über Sebastian gesprochen und unsere Erinnerungen an ihn miteinander geteilt.

Ich erinnere mich an unsere Frankreichfahrt, an seine Begeisterung für das Börsenspiel und daran, wie er täglich die Zeitung mitbrachte, während wir anderen von vielem nur Bahnhof verstanden. Vor einer VWL-Klausur war ich mindestens einmal bei ihm, vielleicht auch zweimal – das weiß ich heute nicht mehr genau. Aber ich weiß noch, dass er mir den Stoff erklärte und mir half.

Bei ihm stand ein Foto von der Freiwilligen Feuerwehr, bei der Sebastian selbst aktiv war. Dass ausgerechnet er später beim Inferno des World Trade Centers ums Leben kam, empfinde ich bis heute als eine kaum erträgliche Absurdität.

Und ich erinnere mich an eine Unterrichtsstunde, in der ich mal wieder kaum etwas von dem verstand, was vorne erklärt wurde, während Sebastian hinten neben seinem Freund saß und alles aufmerksam verfolgte. Ich drehte mich zu ihm um und sagte: „Dein Lieblingsfilm ist bestimmt ‚Wall Street‘ mit Charlie Sheen.“ Er bestätigte es – und sagte: „The Big Apple ist mein Traum.“

Meine Zweitma sagte damals zu mir: „Meld dich bei der Familie, teile deine Erinnetungen der U.S (ihr Kollege, mein ehemaliger Sowi und Geschichtslehrer und Koch AG) kennt die Familie gut, später würde ich es nicht mehr machen – wenn, dann jetzt.“ Aber ich hatte weder den Mut noch die richtigen Worte zu dem Zeitpunkt.

Erst vor Kurzem habe ich mich auf den Weg gemacht und einige Stunden nach Sebastians Grab gesucht, um mich dort in Gedanken von ihm zu verabschieden. Die Menschen, die mir früher hätten zeigen können, wo es liegt, sind inzwischen selbst nicht mehr da. Gefunden habe ich es noch nicht – aber ich werde weitersuchen.

Jedes Jahr am 11. September erzähle ich meinen Schülerinnen und Schülern wie ich den Tag erlebt habe und auch von Sebastian, damit sie begreifen, dass hinter jeder Opferzahl ein einzigartiger Mensch mit seinem Umfeld, seinen Wünschen und seinen Träumen steht.

Vielleicht ist dieser Kommentar nun mein leiser Weg, seiner Familie zu sagen: Auch ich denke an Ihren Sohn. Sebastian ist/ wird nicht vergessen!
Danke fürs Teilen durch dieses würdevolle Interview.

Sandra Weske