WEBVTT

00:02.560 --> 00:04.440
Liebe Freunde der Malerei,

00:04.440 --> 00:09.400
wir malen heute wieder altmeisterlich
nach einer Vorlage des Malers

00:10.080 --> 00:13.000
Cornelius Kuckuck.

00:13.000 --> 00:15.440
In diesem Video studiere ich

00:15.440 --> 00:18.440
eines seiner Landschaftsgemälde.

00:20.520 --> 00:23.600
Während in Bild der Malprozess
abläuft,

00:24.200 --> 00:26.640
berichte ich über meine Erfahrungen

00:26.640 --> 00:29.720
mit der Interpretation der Werke
Alter Meister.

00:31.440 --> 00:32.800
Es wird gezeigt,

00:32.800 --> 00:36.400
wie das Bild von der Skizze
bis zur Fertigstellung wächst.

00:38.360 --> 00:40.720
Meine Acrylmalerei liefert dabei

00:40.720 --> 00:44.480
ein kaum von einem Ölgemälde
zu unterscheidendes Bild.

00:46.880 --> 00:49.680
Zu den gezeigten Maltechniken

00:49.680 --> 00:52.560
gehört auch eine aus dem Pointarismus

00:52.560 --> 00:55.560
abgeleitete Arbeitsweise.

00:56.400 --> 00:59.280
Durch das Auftragen tausender Punkte

00:59.280 --> 01:02.000
in mehreren Farbschichten

01:02.000 --> 01:04.680
entstehen lebendige Untergründe

01:04.680 --> 01:07.680
für Felsen und Baumgruppen.

01:09.360 --> 01:10.840
Zusätzlich

01:10.840 --> 01:13.840
erfährt er auch etwas
über das Leben des Malers.

01:14.240 --> 01:17.240
wAhrend Cornelius Kuckuck.

01:18.840 --> 01:21.360
Mein Ziel ist dabei zu erklären,

01:21.360 --> 01:24.360
wie man
aus seiner Arbeitsweise lernen kann.

01:26.320 --> 01:28.080
Wer historische Gemälde

01:28.080 --> 01:31.760
kopiert oder rekonstruiert, erfährt

01:31.760 --> 01:36.120
weit mehr als nur etwas über den
Umgang mit Farbe und Pinsel.

01:37.360 --> 01:39.440
Man beginnt zu verstehen,

01:39.440 --> 01:42.480
wie große Künstler
ihre Bilder aufgebaut haben.

01:43.520 --> 01:46.520
Wie entsteht räumliche Tiefe?

01:46.800 --> 01:49.920
Warum wirkt eine Komposition
harmonisch?

01:51.280 --> 01:55.200
Welche Rolle spielen Licht,
Farbtemperatur und Kontraste?

01:55.960 --> 02:00.600
Und wie geleitet die Pinselführung
den Blick des Betrachters

02:00.800 --> 02:03.800
durch das Bild?

02:04.680 --> 02:05.880
Dieses Wissen

02:05.880 --> 02:09.600
lässt sich anschließend
auf die eigene Malerei übertragen.

02:11.160 --> 02:13.200
Mich interessiert besonders,

02:13.200 --> 02:16.200
welche Aspekte euch
beim Betrachten auffallen.

02:17.320 --> 02:21.120
Entdeckt ihr Dinge, die ihr selbst
günstig ausprobieren möchtet?

02:21.840 --> 02:26.040
Habt ihr bereits Erfahrungen mit dem
Studium alter Meister gemacht?

02:26.800 --> 02:29.800
Oder mit einem Künstler,
dessen Arbeitsweise

02:29.800 --> 02:32.800
euch besonders inspiriert?

02:33.120 --> 02:36.600
Schreibt eure Gedanken und Fragen
gerne in die Kommentare.

02:37.400 --> 02:40.400
Ich freue mich auf den Austausch.

02:41.840 --> 02:45.880
Inzwischen habe ich die Untermalung
für den Himmel bereits angelegt

02:46.440 --> 02:49.440
und wir können
einige Erkenntnisse notieren.

02:51.120 --> 02:53.280
Es gibt einen Moment beim Betrachten

02:53.280 --> 02:57.360
eines alten Gemäldes,
den wahrscheinlich jeder Maler kennt.

03:00.440 --> 03:01.320
Man steht

03:01.320 --> 03:04.320
vor einem
Bild, vielleicht in einem Museum,

03:04.800 --> 03:07.800
vielleicht in einem Buch oder
auf einem Bildschirm.

03:08.400 --> 03:11.680
Und man ist fasziniert
von dem, was man sieht.

03:12.840 --> 03:15.840
Man bewundert die Farben,
die Komposition,

03:16.160 --> 03:19.160
die technische Sicherheit
des Künstlers.

03:19.440 --> 03:22.440
Aber gleichzeitig entsteht eine Frage

03:22.640 --> 03:25.640
Wie ist dieses Bild
eigentlich entstanden?

03:25.800 --> 03:28.800
Nicht
nur welche Farben wurden verwendet?

03:29.160 --> 03:32.480
Nicht nur welche
Technik hat der Künstler benutzt,

03:33.200 --> 03:36.200
sondern die viel spannendere Frage

03:36.280 --> 03:39.280
Wie hat dieser Maler gedacht?

03:41.120 --> 03:44.600
Genau
diese Frage ist der Ausgangspunkt

03:44.720 --> 03:47.720
für meine heutige Arbeit.

03:47.840 --> 03:49.320
In diesem Video

03:49.320 --> 03:52.320
möchte ich nicht einfach ein Gemälde
kopieren.

03:53.880 --> 03:55.280
Ich möchte versuchen,

03:55.280 --> 03:58.280
eine Verbindung
zu einem Künstler herzustellen,

03:58.680 --> 04:02.560
der vor fast 200 Jahren gelebt
und gearbeitet hat.

04:03.640 --> 04:05.240
Ich möchte verstehen,

04:05.240 --> 04:08.240
welche Entscheidungen
hinter seinen Pinselstrichen stehen.

04:09.000 --> 04:12.320
Warum würde ein Baum
genau an dieser Stelle gesetzt?

04:13.080 --> 04:16.080
Warum öffnet sich die Landschaft
an diesem Punkt?

04:16.400 --> 04:18.920
Warum fällt
das Licht genau dort hinein?

04:20.960 --> 04:22.120
Warum wird

04:22.120 --> 04:26.560
eine scheinbar einfache Landschaft
so ruhig, so ausgewogen

04:27.000 --> 04:30.000
und gleichzeitig so lebendig?

04:31.560 --> 04:34.560
Der Maler,
dessen Werk ich heute studiere,

04:34.800 --> 04:37.560
ist wahrend Cornelius Kuckuck

04:37.560 --> 04:40.440
einer der bedeutendsten
Landschaftsmaler,

04:40.440 --> 04:43.920
der niederländischen Romantik
und ein Künstler,

04:44.360 --> 04:47.360
der zu seiner Zeit den Ruf erhielt,

04:47.360 --> 04:50.360
der Prinz,
der Landschaftsmaler zu sein.

04:52.240 --> 04:54.480
Meine Arbeit an diesem Bild

04:54.480 --> 04:57.480
ist eine sogenannte Master Study,

04:58.320 --> 05:01.320
ein Studium des alten Meister.

05:02.800 --> 05:05.800
Dieser Begriff
wird heute häufig verwendet,

05:05.880 --> 05:09.280
aber seine eigentliche Bedeutung
reicht weit zurück.

05:10.200 --> 05:13.680
Eine Master Studie ist keine Kopie
im einfachen Sinn.

05:14.280 --> 05:16.880
Sie ist eine Untersuchung.

05:16.880 --> 05:20.040
Ein Künstler nennt
ein Werk eines Meisters

05:20.400 --> 05:23.480
und versucht es von innen
heraus zu verstehen

05:24.400 --> 05:26.920
und untersucht die Konstruktion.

05:26.920 --> 05:29.880
Man untersucht die Farben und sucht

05:29.880 --> 05:32.880
die Entscheidungen nachzuvollziehen.

05:33.240 --> 05:36.120
Und während man malt, verändert sich

05:36.120 --> 05:39.120
die eigene Wahrnehmung.

05:40.320 --> 05:44.680
Denn man sieht ein Gemälde
auf eine völlig andere Weise.

05:45.240 --> 05:48.040
Wenn man versucht,
es selbst aufzubauen.

05:49.160 --> 05:49.680
Beim ersten

05:49.680 --> 05:52.680
Betrachten sieht
man vielleicht einen schönen Berg,

05:53.200 --> 05:57.000
eine alte Burg,
einen Fluss oder eine Lichtstimmung.

05:58.000 --> 06:01.000
Beim Malen
entdeckt man jedoch etwas anderes.

06:01.800 --> 06:04.800
Man entdeckt
die Architektur hinter dem Bild.

06:05.160 --> 06:08.840
Man erkennt, dass kein Felsbrocken
zufällig dort ist,

06:09.520 --> 06:12.520
dass kein Schatten
einfach nur ein Schatten ist.

06:13.080 --> 06:16.080
Dass jedes Element
eine Aufgabe erfüllt.

06:17.160 --> 06:20.560
Genau darin liegt
der große Wert des Studiums

06:20.560 --> 06:23.560
der alten Meister.

06:24.480 --> 06:25.440
Es geht nicht

06:25.440 --> 06:28.440
darum, ihre Bilder nachzuahmen.

06:28.880 --> 06:31.880
Es geht darum,
ihre Denkweise zu verstehen.

06:33.120 --> 06:36.560
In der heutigen Zeit lernen
viele Menschen Malerei

06:37.040 --> 06:41.560
über kurze Anleitungen,
Tutorials oder einzelne Techniken.

06:42.480 --> 06:44.600
Das kann sehr hilfreich sein.

06:44.600 --> 06:47.600
Man kann lernen,
wie man eine Farbe mischt,

06:47.760 --> 06:51.880
wie man einen Pinsel führt oder
wie man bestimmte Effekte erzielt.

06:53.400 --> 06:56.640
Aber große Malerei
entsteht nicht allein durch Technik.

06:57.480 --> 06:59.640
Technik ist nur das Werkzeug.

07:00.960 --> 07:04.040
Die eigentliche
Kunst liegt in der Entscheidung.

07:04.640 --> 07:07.360
Wann vereinfache ich

07:07.360 --> 07:09.600
und lasse ich etwas weg?

07:09.600 --> 07:12.320
Wo setze ich einen Kontrast?

07:12.320 --> 07:15.360
Wo lasse ich die Fantasie
des Betrachters arbeiten?

07:16.840 --> 07:20.640
Diese Fragen begleiten Künstler
seit Jahrhunderten.

07:21.720 --> 07:23.760
Und genau deshalb sind die Werke

07:23.760 --> 07:26.760
der Alten Meister
auch heute noch so wertvoll.

07:28.440 --> 07:31.800
Sie zeigen uns nicht
nur, was sie gemalt haben.

07:32.400 --> 07:35.400
Sie zeigen uns,
wie sie gesehen haben.

07:35.720 --> 07:38.400
Für mich
ist das der wichtigste Grund,

07:38.400 --> 07:41.400
eine solche Master
Study anzufertigen.

07:42.120 --> 07:45.480
Ich möchte nicht zu wahren
Cornelius Kuckuck werden.

07:46.000 --> 07:48.640
Das wäre auch gar nicht nötig.

07:48.640 --> 07:50.880
Wir leben in einer anderen Zeit.

07:50.880 --> 07:53.880
Wir sehen anders.
Wir empfinden anders.

07:53.880 --> 07:56.880
Und wir haben andere
künstlerische Möglichkeiten.

07:57.960 --> 08:00.520
Aber ich kann von ihm lernen.

08:00.520 --> 08:03.520
Ich kann lernen, genauer hinzusehen.

08:05.000 --> 08:07.560
Ich kann lernen, eine Landschaft

08:07.560 --> 08:10.800
nicht nur als Ansammlung
von Dingen wahrzunehmen,

08:11.560 --> 08:15.560
sondern als Zusammenspiel
von Formen, Farben und Licht.

08:16.840 --> 08:18.920
Und genau
diese Fähigkeit ist vielleicht

08:18.920 --> 08:23.280
eine der wichtigsten Grundlagen
Jeder Landschaftsmalerei.

08:24.720 --> 08:27.120
Eine gute Landschaft
entsteht nicht dadurch,

08:27.120 --> 08:30.120
dass man möglichst viele Details
malt.

08:30.320 --> 08:32.880
Eine gute Landschaft entsteht
dadurch,

08:32.880 --> 08:35.880
dass man versteht,
was wesentlich ist.

08:36.760 --> 08:40.120
Wenn wir später gemeinsam
den Prozess betrachten,

08:40.120 --> 08:45.040
werden wir sehen, dass Kuckuck
nicht einfach Natur abgebildet hat.

08:46.200 --> 08:48.600
Er hat Landschaft gestaltet.

08:48.600 --> 08:50.760
Er hat aus Beobachtungen

08:50.760 --> 08:53.720
eine neue Wirklichkeit geschaffen.

08:53.720 --> 08:57.480
Seine Bilder zeigen keine zufälligen
Ausschnitte der Welt.

08:58.160 --> 09:02.640
Sie zeigen eine idealisierte
Landschaft, eine Landschaft

09:02.640 --> 09:06.680
in der Ordnung, Schönheit
und Harmonie zusammenfinden.

09:08.400 --> 09:11.400
Das macht seine Werke
so faszinierend.

09:12.000 --> 09:15.000
Sie wirken realistisch
und gleichzeitig

09:15.360 --> 09:19.560
wie eine Erinnerung an einen Ort,
den man vielleicht nie besucht hat.

09:20.720 --> 09:23.160
Vielleicht liegt genau darin

09:23.160 --> 09:26.160
die besondere Kraft seiner Malerei.

09:26.880 --> 09:29.440
Sie zeigt uns nicht
nur eine Landschaft.

09:29.440 --> 09:32.400
Sie zeigt uns, wie wir
Landschaft erleben können.

09:36.080 --> 09:37.200
Bevor ich mit

09:37.200 --> 09:40.200
dem ersten
Pinselstrich begonnen habe,

09:40.200 --> 09:43.640
habe ich mir deshalb Zeit genommen,
dieses Bild zu verstehen.

09:44.640 --> 09:47.640
Denn die eigentliche Arbeit beginnt
nicht mit Farbe.

09:48.440 --> 09:50.560
Sie beginnt mit dem Sehen.

09:50.560 --> 09:53.400
Jeder Maler kennt diesen Unterschied.

09:53.400 --> 09:56.280
Man kann ein Motiv anschauen

09:56.280 --> 09:59.280
oder man kann es wirklich beobachten.

09:59.520 --> 10:01.680
Man kann einen Baum sehen.

10:01.680 --> 10:04.080
Oder man kann verstehen,
wie sein Stamm wächst,

10:04.080 --> 10:06.360
wie sich seine Äste verteilen,

10:06.360 --> 10:09.040
wie das Licht
zwischen den Blättern verschwindet

10:09.040 --> 10:12.720
und wie seine Form
den gesamten Bildraum beeinflusst.

10:13.760 --> 10:16.560
Genau diese Art des Sehens
beherrschen

10:16.560 --> 10:19.320
die großen Landschaftsmaler.

10:19.320 --> 10:22.800
Sie waren nicht nur Handwerker,
sie waren Beobachter,

10:23.040 --> 10:26.040
Forscher, Geschichtenerzähler.

10:27.280 --> 10:30.720
Und vielleicht ist das die schönste
Erkenntnis,

10:31.120 --> 10:34.400
die uns das Studium
eines alten Meisters schenken kann.

10:35.400 --> 10:39.240
Ein Gemälde ist niemals
nur eine Oberfläche aus Farbe.

10:40.000 --> 10:43.440
Es ist die sichtbare Spur
eines Denkprozesses.

10:44.200 --> 10:47.200
Jeder Pinselstrich erzählt
von einer Entscheidung.

10:48.000 --> 10:51.000
Jede Farbschicht erzählt
von einer Beobachtung.

10:51.600 --> 10:54.680
Ihre Komposition erzählt
von einer Vorstellung

10:54.680 --> 10:57.760
davon,
wie die Welt gesehen werden kann.

10:58.840 --> 10:59.280
Mit dieser

10:59.280 --> 11:02.760
Haltung habe
ich meine Rekonstruktion des Werkes

11:02.760 --> 11:05.760
von Baron Cornelis Kuckuck
unternommen.

11:06.600 --> 11:09.840
Nicht mit dem Ziel,
die Vergangenheit zu kopieren,

11:10.800 --> 11:13.800
sondern mit dem Wunsch,
von ihr zu lernen.

11:16.160 --> 11:19.520
Wenn wir wissen wollen,
warum waren Cornelis Kuckuck

11:19.680 --> 11:23.240
zu einem der bedeutendsten
Landschaftsmaler des 19.

11:23.240 --> 11:26.520
Jahrhunderts wurde,
müssen wir zunächst verstehen,

11:27.040 --> 11:30.040
aus welcher Welt er kam.

11:30.240 --> 11:32.680
Denn ein Künstler entsteht niemals

11:32.680 --> 11:35.680
völlig unabhängig von seiner Zeit.

11:35.680 --> 11:38.680
Jedes Gemälde
ist auch ein Spiegel seiner Epoche.

11:39.920 --> 11:43.800
Es zeigt nicht nur die persönliche
Handschrift eines Malers,

11:44.400 --> 11:47.400
sondern auch die Fragen,
Wünsche und Vorstellungen

11:48.000 --> 11:51.000
einer ganzen Generation.

11:51.240 --> 11:55.200
Kuckuck
wurde im Jahr 1803 in Mecklenburg

11:55.400 --> 11:58.400
in den Niederlanden geboren.

11:58.400 --> 12:02.680
Er wuchs in einer Familie auf,
in der Kunst nicht nur ein Beruf,

12:03.360 --> 12:06.360
sondern ein selbstverständlicher
Teil des Lebens war.

12:07.560 --> 12:09.720
Sein Vater Johannes Herman,

12:09.720 --> 12:12.760
ist Kuckuck,
war selbst ein erfolgreicher

12:12.760 --> 12:16.320
marine Maler
und auch mehrere seiner Geschwister

12:16.880 --> 12:20.600
und andere Verwandte
waren bedeutende Künstler.

12:21.480 --> 12:26.560
Insgesamt gab es 17
Maler über fünf Generationen.

12:28.680 --> 12:30.280
Die Familie Kuckuck

12:30.280 --> 12:33.240
gehört
damit zu den bemerkenswertesten

12:33.240 --> 12:36.360
Künstlerdynastien
der niederländischen Malerei.

12:37.560 --> 12:42.000
Für bohrend bedeutete das schon
früh mit Zeichnung,

12:42.000 --> 12:45.320
Komposition und Maltechnik Vertraut
wurde.

12:47.400 --> 12:50.760
Dank eines Stipendiums
der königlichen Regierung

12:51.360 --> 12:55.080
studierte er für drei Jahre
an der Königlichen Akademie

12:55.080 --> 12:58.080
der Bildenden Künste in Amsterdam.

12:58.560 --> 13:02.760
Er lernte nicht nur, wie man Farbe
auf eine Leinwand bringt.

13:03.600 --> 13:06.600
Er lernte, wie man beobachtet.

13:06.600 --> 13:10.400
Man Formen, analysiert,
wie man eine Landschaft

13:10.400 --> 13:13.400
nicht nur betrachtet,
sondern versteht.

13:14.120 --> 13:17.960
Diese frühe Umgebung war entscheidend
für seine Entwicklung.

13:19.240 --> 13:22.160
Denn Landschaftsmalerei
war zu dieser Zeit

13:22.160 --> 13:25.440
längst mehr als die Darstellung
einer schönen Ansicht.

13:27.240 --> 13:28.000
Im 17.

13:28.000 --> 13:33.160
Jahrhundert hatten Künstler
wie Jakobson, Roy Stahl und Obama

13:33.680 --> 13:36.400
die niederländische
Landschaftsmalerei

13:36.400 --> 13:39.400
zu einer großen Kunstform entwickelt.

13:39.880 --> 13:43.040
Sie zeigten Wälder, Wege,
Flüsse und Himmel.

13:43.680 --> 13:46.680
Mit einer
außergewöhnlichen Beobachtungsgabe.

13:48.840 --> 13:50.080
Doch im 19.

13:50.080 --> 13:53.760
Jahrhundert veränderte
sich der Blick auf die Natur.

13:55.440 --> 13:58.440
Die Epoche der Romantik begann.

13:58.960 --> 14:02.880
Die Natur wurde nicht mehr
nur als äußerer Raum gesehen.

14:03.760 --> 14:06.760
Sie wurde zum Ausdruck
innerer Gefühle.

14:07.240 --> 14:10.240
Eine Landschaft konnte
Ruhe vermitteln,

14:10.320 --> 14:13.320
sie konnte Einsamkeit ausdrücken,

14:13.560 --> 14:17.040
sie konnte Erhabenheit und Ehrfurcht
auslösen.

14:17.880 --> 14:22.360
Der Mensch begann, sich selbst
in der Natur wiederzufinden.

14:23.920 --> 14:26.920
Diese Idee prägte auch Berufsarbeit.

14:28.680 --> 14:30.400
Seine Landschaften

14:30.400 --> 14:33.720
sind deshalb keine rein
topographischen Darstellungen.

14:34.640 --> 14:37.640
Sie zeigen nicht einfach
einen bestimmten Ort,

14:38.000 --> 14:41.000
den man auf einer Landkarte finden
könnte.

14:41.400 --> 14:44.400
Sie zeigen eine Vorstellung
von Landschaft,

14:44.440 --> 14:48.560
eine ideale Landschaft,
eine Welt, in der Harmonie

14:48.560 --> 14:51.600
zwischen Mensch und Natur
möglich erscheint.

14:53.240 --> 14:57.560
Das bedeutet jedoch nicht, dass seine
Bilder unrealistisch wären.

14:57.560 --> 14:59.880
Im Gegenteil.

14:59.880 --> 15:02.880
War ein außergewöhnlich
genauer Beobachter.

15:03.880 --> 15:06.400
Er fertigte zahlreiche Naturstudien

15:06.400 --> 15:09.400
an, er zeichnete Bäume,

15:09.600 --> 15:12.000
untersuchte Lichtverhältnisse.

15:12.000 --> 15:15.120
Er beobachtete die Veränderung
der Landschaft

15:15.120 --> 15:17.000
durch Jahreszeiten und Wetter.

15:18.720 --> 15:21.520
Aber aus diesen Beobachtungen heraus

15:21.520 --> 15:25.040
entwickelte er anschließend
eine eigene Bildwelt.

15:26.640 --> 15:29.640
Er nahm die Wirklichkeit
als Ausgangspunkt

15:29.920 --> 15:32.920
und verwandelte sie in Kunst.

15:35.480 --> 15:38.480
Genau hier liegt
ein wichtiger Unterschied

15:38.520 --> 15:43.080
zwischen einem guten Landschaftsmaler
und einem großen Landschaftsmaler.

15:44.040 --> 15:47.040
Ein guter Maler kann
sehen, was vorhanden ist.

15:47.520 --> 15:50.520
Ein großer Maler versteht,
was wesentlich ist,

15:51.520 --> 15:56.920
wo er wusste, dass die Natur nicht
automatisch ein gutes Gemälde ergibt.

15:57.840 --> 16:00.840
Die Natur ist voller Zufälle.

16:02.760 --> 16:05.760
Ein Gemälde braucht jedoch Ordnung.

16:05.880 --> 16:09.000
Deshalb komponierte er
seine Landschaften sorgfältig.

16:09.960 --> 16:14.440
Er ordnete Bäume,
Wege, Lichtungen und Figuren so an,

16:15.160 --> 16:18.160
dass ein harmonisches Ganzes
entstand.

16:18.760 --> 16:23.160
Viele seiner Werke wirken auf den
ersten Blick spontan und natürlich.

16:23.880 --> 16:27.920
Doch bei genauer Betrachtung erkennt
man eine außergewöhnliche Planung.

16:29.040 --> 16:32.280
Jeder Bereich
der Leinwand besitzt eine Aufgabe.

16:33.080 --> 16:36.080
Ein dunkler Baum im Vordergrund
schafft Tiefe.

16:36.480 --> 16:39.000
Ein heller Himmel öffnet den Raum.

16:39.960 --> 16:40.560
Eine kleine

16:40.560 --> 16:43.560
Figur in der Landschaft,
einen Maßstab.

16:44.440 --> 16:47.440
Weg führt ein Blick in die Ferne.

16:51.080 --> 16:53.160
Die alten Meister kannten die

16:53.160 --> 16:56.320
Bedeutung des goldenen Schnitt
in der Bildaufteilung.

16:57.160 --> 17:00.720
Der Mönch empfindet
scheinbar wie nach einem Naturgesetz

17:01.280 --> 17:04.280
bestimmte Bildbereiche
als besonders wichtig

17:04.760 --> 17:07.560
und lässt seinen Blick
durch die Linienführungen

17:07.560 --> 17:11.480
anderer Gestaltungselemente
gern dorthin führen.

17:12.800 --> 17:14.680
Diese Verbindung aus

17:14.680 --> 17:18.240
Naturbeobachtung
und künstlerischer Gestaltung

17:19.080 --> 17:22.080
wurde zum Markenzeichen.

17:22.600 --> 17:25.600
In den 1830 er Jahren

17:25.600 --> 17:28.640
zog es ihn zunehmend
in die deutsche Landschaft.

17:29.600 --> 17:33.320
Besonders die Regionen am Rhein
und später Kleve

17:33.840 --> 17:36.840
wurden für ihn wichtig.

17:37.840 --> 17:41.440
Dort fand er Motive,
die seinen Vorstellungen

17:41.640 --> 17:44.640
von einer idealen Landschaft
entsprachen.

17:45.040 --> 17:48.360
Wälder, sanfte Hügel, Flüsse,

17:48.880 --> 17:51.880
historische Gebäude
und eine Atmosphäre,

17:52.080 --> 17:55.440
die Vergangenheit und Gegenwart
miteinander verband.

17:56.560 --> 17:58.920
Kleve sollte schließlich zu seinem

17:58.920 --> 18:01.920
wichtigsten Lebens und Arbeitsort
werden.

18:03.040 --> 18:07.200
Hier entstand ein großer Teil
seines bedeutenden Werkes.

18:10.360 --> 18:11.240
Hier gründete

18:11.240 --> 18:14.240
er auch seine eigene Zeichenschule,

18:14.280 --> 18:18.560
die später als Zeichenakademie
von Kleve bekannt wurde.

18:19.600 --> 18:23.920
Sein damaliges Haus ist heute
ein Museum seiner Werke,

18:24.600 --> 18:28.520
in dem ich bereits mehrfach
meine eigenen Interpretationen

18:28.520 --> 18:31.520
seiner Gemälde ausstellen durfte.

18:32.640 --> 18:35.640
Diese Schule zeigt sehr deutlich,

18:35.920 --> 18:39.960
welchen Stellenwert Kuckuck
der Ausbildung junger Künstler gab.

18:41.280 --> 18:44.280
Er war nicht nur Maler,
er war Lehrer.

18:44.680 --> 18:48.240
Er war jemand, der
seine Erfahrungen weitergeben wollte.

18:50.440 --> 18:53.440
Und genau hier
finden wir eine Verbindung

18:53.680 --> 18:56.680
zu unserem heutigen Projekt.

18:56.760 --> 18:59.320
Denn auch das Studium
der alten Meister

18:59.320 --> 19:02.440
ist eine Form des Lernens
durch Weitergabe.

19:03.720 --> 19:05.400
Ein Künstler aus dem 19.

19:05.400 --> 19:09.360
Jahrhundert
spricht mit einem Künstler des 21.

19:09.360 --> 19:10.640
Jahrhunderts.

19:10.640 --> 19:13.040
Nicht durch Worte, sondern durch

19:13.040 --> 19:16.040
Beobachtungen.

19:16.080 --> 19:17.520
Wenn ich heute versuche,

19:17.520 --> 19:21.880
ein Werk vom Kuckuck in Acryl Malerei
nachzuvollziehen,

19:22.640 --> 19:25.640
arbeite ich gewissermaßen
mit ihm zusammen.

19:27.640 --> 19:31.160
Natürlich liegen
zwischen uns fast zwei Jahrhunderte.

19:32.360 --> 19:34.920
Die Materialien sind anders.

19:34.920 --> 19:37.920
Die Welt, in der wir leben, ist
eine andere.

19:38.440 --> 19:42.840
Aber die grundlegenden Fragen der
Malerei haben sich kaum verändert.

19:43.920 --> 19:46.080
Wie entsteht Tiefe?

19:46.080 --> 19:48.400
Wie entsteht Atmosphäre?

19:48.400 --> 19:51.400
Wie kann Farbe Licht darstellen?

19:52.560 --> 19:57.480
Wie kann eine flache Leinwand
eine ganze Welt in 3D entstehen

19:57.480 --> 19:59.040
lassen?

19:59.040 --> 20:01.080
Diese Fragen beschäftigt

20:01.080 --> 20:04.080
den Kuckuck genauso wie uns heute.

20:04.720 --> 20:07.720
Sein Erfolg zu Lebzeiten war enorm.

20:08.840 --> 20:11.320
Sammler schätzten seine Werke.

20:11.320 --> 20:13.960
König Wilhelm,
der zweite der Niederlande,

20:13.960 --> 20:16.960
nahm ihn mit
auf eine Reise nach Luxemburg,

20:17.440 --> 20:20.440
um für ihn Gemälde
der Schlösser anzufertigen.

20:21.400 --> 20:24.400
Eines davon steht hier im Bild.

20:25.200 --> 20:28.800
Seine Bilder
wurden international gehandelt

20:30.360 --> 20:33.560
und erzielen noch heute auf Auktionen

20:34.240 --> 20:37.240
große Ergebnisse.

20:37.560 --> 20:40.040
Er wurde zu einem der angesehensten

20:40.040 --> 20:43.040
Landschaftsmaler seiner Generation.

20:43.640 --> 20:46.640
Der Titel Prinz, der Landschaftsmaler

20:46.920 --> 20:49.920
war deshalb nicht
nur eine höfliche Bezeichnung.

20:50.800 --> 20:53.800
Er spiegelte
die außergewöhnliche Stellung wider,

20:54.000 --> 20:57.240
die er in der Kunstwelt
seiner Zeit einnahm.

20:58.480 --> 21:00.200
Auch vielleicht ist sein größter

21:00.200 --> 21:03.480
Verdienst nicht allein
die Schönheit seiner Gemälde.

21:04.480 --> 21:07.480
Es ist die Haltung dahinter.

21:08.400 --> 21:12.200
Kuckuck zeigte,
dass Landschaftsmalerei nicht darin

21:12.200 --> 21:15.600
besteht, möglichst
viele Einzelheiten abzubilden.

21:16.920 --> 21:18.720
Sie besteht darin,

21:18.720 --> 21:21.960
eine bestimmte Wahrnehmung der Welt
sichtbar zu machen.

21:23.160 --> 21:27.520
Eine Landschaft ist nicht
nur ein Ort, sie ist eine Erfahrung,

21:28.280 --> 21:32.480
ein Lichtmoment,
eine Erinnerung, ein Gefühl.

21:33.600 --> 21:37.080
Und genau deshalb sprechen
seine Bilder auch heute noch zu uns.

21:38.160 --> 21:41.160
Sie erinnern uns daran, langsamer zu
schauen.

21:43.320 --> 21:46.320
Die Schönheit in Dingen zu entdecken,

21:46.880 --> 21:49.880
die wir im Alltag oft übersehen.

21:50.880 --> 21:54.120
Vielleicht ist das die erste
große Lektion,

21:54.640 --> 21:57.640
die wir von Waren
Cornelius Kuckuck, lernen können.

21:58.320 --> 22:02.240
Ein Maler muss nicht
nur lernen, wie man malt.

22:03.000 --> 22:06.000
Er muss lernen, wie man sieht.

22:06.200 --> 22:07.800
Und mit diesem Gedanken

22:07.800 --> 22:11.200
können wir uns nun dem nächsten
Schritt zuwenden.

22:11.720 --> 22:14.720
Wir verlassen die reine
Kunstgeschichte

22:14.840 --> 22:17.880
und wenden uns
dem eigentlichen Gemälde zu.

22:20.160 --> 22:21.680
Wir werden untersuchen,

22:21.680 --> 22:24.680
wie Kuckuck
seine Landschaft konstruiert hat,

22:25.480 --> 22:27.640
wie er den Blick führt,

22:27.640 --> 22:30.640
wie er Licht und Farbe einsetzt

22:30.760 --> 22:33.760
und warum gerade diese Entscheidungen

22:33.840 --> 22:36.840
sein Werk so zeitlos machen.

22:37.880 --> 22:39.440
Große Gemälde

22:39.440 --> 22:42.280
beginnen nicht mit der Farbe.

22:42.280 --> 22:45.040
Es beginnt mit einer Idee.

22:45.040 --> 22:49.560
Wenn wir ein Werk von Waren Cornelius
Kuckuck betrachten, sehen wir

22:49.560 --> 22:52.560
seine Landschaft in diesem Fall

22:52.720 --> 22:55.560
ist es ein Felsen direkt am Fluss.

22:55.560 --> 22:59.440
Eine Baumgruppe,
eine Felswand, überragt

22:59.440 --> 23:02.440
von einer Burg und ein Stück Himmel

23:02.560 --> 23:06.400
sowie eine Gruppe von Figuren
und entfernte Gebäude.

23:07.200 --> 23:10.360
Hinter allem
verbirgt sich eine außergewöhnlich

23:10.360 --> 23:13.360
komplexe Konstruktion.

23:13.920 --> 23:15.920
Kuckuck war kein Maler,

23:15.920 --> 23:18.880
der die Natur einfach abwendete.

23:18.880 --> 23:21.000
Er war ein Komponist.

23:21.000 --> 23:25.560
So wie ein Musiker einzelne Töne
zu einer Melodie verbindet,

23:26.160 --> 23:29.160
verband er Formen, Farben und Licht

23:29.400 --> 23:32.400
zu einer visuellen Komposition.

23:32.680 --> 23:35.760
Und genau hier
beginnt die erste große Lektion,

23:36.440 --> 23:37.840
die wir von ihm lernen können

23:39.120 --> 23:42.120
Eine Landschaft
muss nicht nur gesehen werden,

23:42.640 --> 23:45.640
sie muss verstanden
und aufgebaut werden.

23:48.240 --> 23:51.600
Ich frage mich nicht
Wie viele Blätter hat dieser Baum?

23:52.320 --> 23:55.320
Wie viele
Steine liegen auf diesem Weg?

23:55.480 --> 23:58.720
Wie genau ist jede kleine Struktur
gemalt?

23:59.840 --> 24:02.840
Zuerst geht es um
die großen Zusammenhänge.

24:03.320 --> 24:06.040
Wo liegt der Schwerpunkt des Bildes?

24:06.040 --> 24:09.040
Wo befinden sich die größten dunklen
Massen?

24:09.960 --> 24:12.720
Wo öffnet sich der Raum?

24:12.720 --> 24:15.720
Wo entsteht der wichtigste Kontrast?

24:16.880 --> 24:20.080
Denn bevor ein Betrachter
einzelne Details wahrnimmt,

24:20.800 --> 24:24.080
reagiert er auf
diese grundlegende Ordnung.

24:26.320 --> 24:30.360
Ein Bild muss bereits
aus der Entfernung funktionieren.

24:31.360 --> 24:34.360
Das ist eine der wichtigsten
Erkenntnisse

24:34.520 --> 24:37.520
aus dem Studium der alten Meister.

24:37.840 --> 24:41.160
Die großen Künstler bauten
ihre Gemälde wie Architekten.

24:42.000 --> 24:45.360
Sie errichteten
zunächst ein stabiles Fundament.

24:46.360 --> 24:49.360
Erst dann kamen die dekorativen
Elemente.

24:50.600 --> 24:51.360
Ein Kuckuck.

24:51.360 --> 24:54.360
Erkennen wir diese Architektur
besonders deutlich?

24:55.440 --> 24:57.440
Viele seiner Landschaften

24:57.440 --> 25:00.440
besitzen
eine klare räumliche Staffelung.

25:01.360 --> 25:04.360
Vordergrund
ist kräftig und detailliert.

25:04.720 --> 25:09.120
Hier finden wir dunkle Felsen,
kräftige Schatten und einen Weg

25:09.120 --> 25:13.080
und Figuren, die den Betrachter
in das Bild hineinführen.

25:14.880 --> 25:16.440
Der Mittelgrund

25:16.440 --> 25:19.320
verbindet Nähe und Ferne.

25:19.320 --> 25:22.320
Hier lösen sich Formen langsam auf.

25:22.560 --> 25:25.200
Die Kontraste werden etwas schwächer,

25:25.200 --> 25:28.200
die Farben beginnen sich zu verändern

25:29.520 --> 25:31.120
und schließlich

25:31.120 --> 25:33.720
öffnet sich der Hintergrund.

25:33.720 --> 25:37.680
Dort wird die Landschaft heller,
ruhiger und weiter.

25:38.600 --> 25:41.480
Und hier, mit einer leicht

25:41.480 --> 25:44.480
bläulichen Einfärbung.

25:44.520 --> 25:47.520
Diese Abstufung erzeugt Tiefe.

25:47.840 --> 25:52.560
Sie sorgt neben der linearen
Perspektive für die Tiefenwirkung.

25:52.960 --> 25:55.960
Auf dem eigentlich flachen Malgrund.

25:56.920 --> 25:59.000
Je weiter entfernt etwas ist,

25:59.000 --> 26:02.760
desto stärker beeinflussen
Luft und Licht seine Erscheinung.

26:03.760 --> 26:06.240
Entfernte Bäume sind nicht einfach.

26:06.240 --> 26:09.240
Kleinere Versionen
der vorderen Bäume.

26:09.360 --> 26:13.200
Sie sind heller, weicher,
weniger kontrastreich.

26:14.040 --> 26:16.200
Oder wie hier in diesem Bild

26:16.200 --> 26:19.520
kaum zu sehen,
sondern eher als Fläche wahrzunehmen.

26:20.880 --> 26:23.560
Ihre Farben verschieben sich.

26:23.560 --> 26:26.560
Sie verlieren an Sättigung.

26:26.560 --> 26:29.560
Dadurch entsteht das Gefühl von Raum.

26:31.680 --> 26:34.680
Es ist faszinierend,
dass diese Wirkung

26:34.680 --> 26:38.440
nicht durch komplizierte
technische Tricks entsteht.

26:39.360 --> 26:42.360
Sie entsteht durch
genaues Beobachten.

26:42.880 --> 26:45.880
Kuckuck verstand die Natur
nicht nur optisch.

26:47.000 --> 26:50.000
Er verstand ihre Gesetzmäßigkeiten.

26:50.200 --> 26:53.720
Und genau deshalb wirken
seine Landschaften überzeugend.

26:54.560 --> 26:57.680
Sie folgen den Regeln
unserer Wahrnehmung.

26:59.000 --> 27:01.680
Während ich das Gemälde als Vorlage

27:01.680 --> 27:04.440
für meine eigene Malerei nutze,

27:04.440 --> 27:09.160
ist dies einer der Punkte, an denen
ich besonders aufmerksam sein muss.

27:10.200 --> 27:14.440
Die Versuchung ist groß, sofort
mit kräftigen Farben zu beginnen.

27:15.480 --> 27:18.480
Zuerst muss das Bild
aber als Struktur funktionieren.

27:19.640 --> 27:22.760
Ein weiterer entscheidender
Bereich ist die Lichtführung.

27:23.520 --> 27:26.640
Licht ist bei Kuckuck
niemals nur Beleuchtung.

27:27.560 --> 27:30.000
Licht ist ein Erzähler.

27:30.000 --> 27:33.680
Es bestimmt
die Stimmung schafft Atmosphäre.

27:34.400 --> 27:37.400
Es lenkt unsere Aufmerksamkeit.

27:39.000 --> 27:42.480
Wenn ein Sonnenstrahl
durch die Baumkronen fällt,

27:42.960 --> 27:45.960
ist das nicht
nur ein physikalischer Vorgang.

27:46.440 --> 27:49.240
Es ist ein emotionaler Moment.

27:49.240 --> 27:54.360
Das Licht macht aus einem gewöhnliche

27:55.360 --> 27:56.320
Kuckuck hat hier

27:56.320 --> 27:59.320
genau einen solchen Augenblick
festgehalten.

28:00.480 --> 28:02.280
Viele Menschen glauben,

28:02.280 --> 28:04.760
realistische Malerei bedeute,

28:04.760 --> 28:08.400
möglichst genau das zu malen,
was vor dem Auge erscheint.

28:09.680 --> 28:11.480
Doch die großen Meister

28:11.480 --> 28:14.040
zeigen uns etwas anderes.

28:14.040 --> 28:17.520
Realismus bedeutet nicht,
alles abzubilden.

28:18.400 --> 28:22.240
Realismus bedeutet, die Wirkung
der Wirklichkeit zu verstehen.

28:23.200 --> 28:26.520
Und genau hier
wird das Studium eines alten Meisters

28:26.920 --> 28:29.920
zu einer wertvollen Erfahrung.

28:31.320 --> 28:34.840
Während ich Farbbereiche anlege,
merke ich schnell,

28:35.520 --> 28:38.520
dass Kuckucksart Welt
viel komplexer ist,

28:38.920 --> 28:41.920
als sie auf den ersten Blick
erscheint.

28:42.360 --> 28:45.960
Eine Landschaft von ihnen besteht
nicht einfach aus grün und Braun.

28:47.000 --> 28:49.640
Sie lebt von gebrochenen Farben,

28:49.640 --> 28:51.880
von subtilen Übergängen,

28:51.880 --> 28:54.880
von warmen und kalten Gegensätzen.

28:56.040 --> 28:58.960
Ein Schatten ist niemals nur dunkel.

28:58.960 --> 29:01.360
Er kann blau enthalten.

29:01.360 --> 29:03.560
Grün, Grüntöne.

29:03.560 --> 29:07.000
Ein beleuchteter Bereich ist
niemals einfach nur gelb.

29:07.840 --> 29:09.960
Er kann Ocker enthalten.

29:09.960 --> 29:13.120
Warme Erdtöne, goldene Nuancen.

29:14.520 --> 29:15.520
Diese Beziehungen

29:15.520 --> 29:18.520
zwischen den Farben erzeugen
Harmonie.

29:19.760 --> 29:23.240
Das ist eine weitere große Lektion
der alten Meister.

29:24.160 --> 29:26.640
Farben wirken nicht einzeln.

29:26.640 --> 29:29.400
Sie wirken miteinander.

29:29.400 --> 29:31.680
Eine Farbe verändert ihre Wahrnehmung

29:31.680 --> 29:34.680
durch die Farben, die sie umgeben.

29:34.880 --> 29:37.560
War Matton wirkt intensiver.

29:37.560 --> 29:39.920
Neben einem kühlen Ton.

29:39.920 --> 29:42.600
Ein dunkler Bereich wirkt stärker.

29:42.600 --> 29:45.600
Neben einem hellen Bereich.

29:46.920 --> 29:50.000
Dies alles
erreiche ich mit wenigen Farben.

29:50.440 --> 29:53.080
Um die Harmonie nicht zu stören.

29:53.080 --> 29:57.600
Die reine Farbe aus
der Tube erhält dazu in jedem Fall

29:57.840 --> 30:01.200
eine Beimischung
und steht nie für sich allein.

30:02.880 --> 30:05.880
Kuckuck beherrschte diese Balance
meisterhaft.

30:07.520 --> 30:11.840
Er wusste genau, wann eine Farbe
Aufmerksamkeit erhalten sollte

30:12.360 --> 30:15.360
und wann sie sich zurücknehmen
musste.

30:15.920 --> 30:18.920
Diese Zurückhaltung
ist vielleicht einer der Gründe,

30:19.000 --> 30:23.880
warum seine Bilder auch nach fast
200 Jahren noch so frisch wirken.

30:24.840 --> 30:27.840
Sie schreien nicht
nach Aufmerksamkeit.

30:27.920 --> 30:29.680
Sie laden zum Verweilen ein.

30:30.840 --> 30:32.720
Und vielleicht ist genau das

30:32.720 --> 30:35.960
ein weiterer Gegensatz
zu unserer heutigen Zeit.

30:37.560 --> 30:39.120
Wir leben in einer Welt

30:39.120 --> 30:42.120
voller übermächtiger visuelle Reize.

30:42.600 --> 30:44.240
Alles muss auffallen.

30:44.240 --> 30:47.000
Alles muss sofort wirken.

30:47.000 --> 30:50.000
Landschaften funktionieren anders.

30:50.040 --> 30:52.280
Sie verlangen Geduld.

30:52.280 --> 30:55.280
Wir belohnen genaues Hinsehen.

30:55.320 --> 30:58.680
Je länger man betrachtet, desto
mehr entdeckt man.

30:59.560 --> 31:01.280
Ein versteckter Weg.

31:01.280 --> 31:05.160
Eine kleine Figur,
Ein Lichtreflex auf einem Blatt.

31:06.000 --> 31:09.000
Eine Veränderung in der Atmosphäre.

31:09.200 --> 31:12.200
Das Bild öffnet sich langsam.

31:12.800 --> 31:15.760
Und vielleicht ist genau das
die Verbindung zwischen

31:15.760 --> 31:17.320
dem Künstler des 19.

31:17.320 --> 31:20.320
Jahrhunderts
und dem Betrachter von heute.

31:22.640 --> 31:25.360
Beide müssen sich Zeit nehmen.

31:25.360 --> 31:27.120
Zeit zum Säen.

31:27.120 --> 31:28.920
Zeit zum Verstehen.

31:28.920 --> 31:30.840
Zeit zum Lernen.

31:30.840 --> 31:34.920
Genau deshalb ist das Studium
eines alten Meisters so wertvoll.

31:35.760 --> 31:38.560
Mahnt uns, langsamer zu werden.

31:38.560 --> 31:41.720
Es zwingt uns, Entscheidungen
nachzuvollziehen.

31:42.640 --> 31:47.040
Sie verwandelt ein fertiges Gemälde
wieder in einen Prozess.

31:48.000 --> 31:49.520
Während ich dabei bin, diese

31:49.520 --> 31:53.400
Erkenntnisse auf meinem
eigenen Malgrund zu übertragen,

31:54.360 --> 31:57.760
wird aus der Betrachtung
eine praktische Erfahrung.

31:58.920 --> 32:01.560
Aus Theorie wird Handlung.

32:01.560 --> 32:02.760
Aus Bewunderung.

32:02.760 --> 32:04.560
Wir lernen.

32:04.560 --> 32:09.000
Und hier zeigt sich, wie Prinzipien
in Farbe umgesetzt werden.

32:11.080 --> 32:13.200
Wie aus einfachen Formen

32:13.200 --> 32:17.240
eine Landschaft entsteht,
wie aus einem leeren Malgrund.

32:17.840 --> 32:21.360
Ein Raum voller Licht,
Tiefe und Atmosphäre

32:21.360 --> 32:24.360
wird.

32:24.560 --> 32:29.360
Nach vielen Stunden des Betrachtens,
Analysieren und Malens

32:30.000 --> 32:33.000
steht das fast fertige Bild
nun vor uns.

32:33.720 --> 32:36.000
Die letzten Farbschichten

32:36.000 --> 32:39.960
werden gesetzt,
die letzten Details ausgearbeitet.

32:41.520 --> 32:45.400
Der Malgrund, der am Anfang
nur eine leere Fläche war,

32:46.040 --> 32:48.600
trägt nun eine Landschaft.

32:48.600 --> 32:51.960
Eine Landschaft, die ihren Ursprung
in einem Werk von Waren.

32:51.960 --> 32:54.960
Cornelis Kuckuck hat.

32:55.000 --> 32:58.640
Natürlich
ist dieses Bild nicht das Original.

32:59.360 --> 33:02.040
Es war auch nicht der Anspruch.

33:02.040 --> 33:03.840
Denn der eigentliche Wert

33:03.840 --> 33:08.640
dieser Arbeit lag nie darin, eine
perfekte Kopie zu erschaffen.

33:09.720 --> 33:11.360
Der eigentliche Wert lag in

33:11.360 --> 33:14.360
der Begegnung, dem Lernprozess,

33:15.240 --> 33:18.240
in einer Auseinandersetzung
mit dem Künstler.

33:18.320 --> 33:21.320
Es leben fast 200 Jahre zurückliegt.

33:24.160 --> 33:27.320
Während der Arbeit
an dieser Meisterstudie

33:27.960 --> 33:29.880
hatte ich immer wieder das Gefühl,

33:29.880 --> 33:33.200
dass Kuckuck nicht einfach ein Maler
der Vergangenheit ist.

33:34.280 --> 33:37.120
Er ist fast ein Gesprächspartner.

33:37.120 --> 33:39.840
Jede Entscheidung,
die ich getroffen habe,

33:39.840 --> 33:42.840
hat eine neue Frage aufgeworfen.

33:44.160 --> 33:47.160
Warum wurde welche Farbe gewählt?

33:47.400 --> 33:51.080
Da war Malgrund auch viel kleiner,
als das Original war.

33:51.440 --> 33:54.440
Musste ich zudem
weitere Vereinfachungen treffen?

33:55.480 --> 33:58.640
Wie lenke ich trotzdem
den Blick des Betrachters?

33:59.520 --> 34:02.520
Wie schaffe ich
eine beeindruckende Wirkung?

34:03.120 --> 34:05.400
Und genau diese Fragen sind es,

34:05.400 --> 34:08.200
die einen Künstler weiterbringen.

34:08.200 --> 34:10.240
Nicht die schnelle Antwort,

34:10.240 --> 34:12.640
sondern die gute Frage.

34:12.640 --> 34:16.000
Vielleicht ist das die größte Stärke
der alten Meister.

34:17.600 --> 34:21.880
Ihre Werke geben uns auch
nach Jahrhunderten noch etwas zurück.

34:23.280 --> 34:26.600
Sie verändern
sich nicht, aber wir verändern uns.

34:26.680 --> 34:29.200
Beim Betrachten,

34:29.200 --> 34:32.200
weil wir lernen, genauer hinzusehen.

34:32.480 --> 34:35.040
Das ist auch der Grund,
warum ich glaube,

34:35.040 --> 34:38.320
dass das Studium alter Meister
ein wichtiger Bestandteil

34:38.720 --> 34:41.840
jeder ernsthaften
künstlerischen Entwicklung sein kann.

34:42.640 --> 34:45.040
Nicht als Einschränkung, nicht

34:45.040 --> 34:48.040
als Rückblick
in eine vergangene Zeit,

34:48.120 --> 34:51.120
sondern als Erweiterung
unserer Möglichkeiten.

34:52.280 --> 34:54.840
Jeder Künstler baut auf etwas auf,

34:54.840 --> 34:57.840
das vor ihm entstanden ist.

34:57.840 --> 34:59.760
Wir stehen alle in einer langen

34:59.760 --> 35:03.240
Reihe von Beobachtern,
Zeichnern und Malern.

35:04.320 --> 35:07.320
Wir übernehmen, Wissen, was
Verändern ist.

35:08.040 --> 35:10.040
Wir geben es weiter.

35:10.040 --> 35:12.160
Und genau dieser Austausch

35:12.160 --> 35:15.160
macht die Geschichte
der Kunst lebendig.

35:16.640 --> 35:19.440
Vielleicht ist das etwas, das viele

35:19.440 --> 35:22.440
beim Betrachten
solcher Meisterwerke oft vergessen.

35:23.680 --> 35:25.880
Sie sehen nur das Ergebnis,

35:25.880 --> 35:28.880
sehen nicht die vielen Versuche
davor.

35:29.440 --> 35:33.200
Sie sehen nicht die weiten Wege, die
der Künstler gegangen ist.

35:34.440 --> 35:35.360
Aber genau diese

35:35.360 --> 35:38.360
Suche gehört zur Kunst dazu.

35:39.400 --> 35:42.720
Auch Kuckuck hat nicht einfach
vor einer Leinwand gestanden

35:42.720 --> 35:45.720
und sofort ein perfektes Meisterwerk
geschaffen.

35:46.560 --> 35:49.560
Auch er musste lernen, zu beobachten.

35:49.560 --> 35:52.560
Muster
studieren, verwerfen, neu beginnen.

35:53.800 --> 35:56.440
Der Unterschied
zwischen einem Anfänger und einem

35:56.440 --> 36:00.200
Meister besteht nicht darin,
dass der Meister keine Fehler macht.

36:01.760 --> 36:04.520
Der Unterschied besteht darin,

36:04.520 --> 36:07.680
dass der Meister gelernt hat,
aus jedem Fehler

36:08.040 --> 36:10.680
etwas abzuleiten.

36:10.680 --> 36:13.800
Und vielleicht ist das eine
der wichtigsten Erkenntnisse,

36:14.520 --> 36:17.520
das man aus einer
solchen Arbeit mitnehmen kann.

36:19.080 --> 36:21.280
Malerei ist ein Bestreben

36:21.280 --> 36:24.200
nach einem wertvollen Ergebnis.

36:24.200 --> 36:27.360
Malerei ist ein Prozess des Lernens.

36:28.560 --> 36:31.560
Jedes Bild
ist eine neue Untersuchung.

36:32.400 --> 36:35.400
Jede Leinwand
gibt uns neue Möglichkeiten,

36:35.840 --> 36:38.840
alles besser zu verstehen.

36:39.280 --> 36:43.160
Genau deshalb möchte ich euch dazu
ermutigen,

36:43.400 --> 36:46.720
selbst einmal
eine Meisterstudie auszuprobieren.

36:47.680 --> 36:50.760
Es muss nicht unbedingt
ein Gemälde von Kuckuck sein.

36:52.560 --> 36:54.480
Es kann jeder Künstler sein,

36:54.480 --> 36:57.480
dessen Arbeit euch fasziniert.

36:58.000 --> 37:01.600
Vielleicht ein moderner
Landschaftsmaler wie Andrea Tischler,

37:02.240 --> 37:05.760
den ich in einem meiner Filme
präsentieren durfte.

37:06.880 --> 37:09.480
Vielleicht an allen,

37:09.480 --> 37:12.440
den ich in Cornwall besucht habe.

37:12.440 --> 37:16.480
Vielleicht auch ein anderer
alter Meister wie Andreas Achenbach

37:16.960 --> 37:19.640
mit seinen dramatischen Landschaften

37:19.640 --> 37:22.440
und seiner Kraft des Lichts.

37:22.440 --> 37:25.760
Wichtig ist nicht,
welchen Künstler ihr auswählt.

37:26.440 --> 37:28.520
Wichtig ist die Haltung.

37:28.520 --> 37:32.600
Nicht Ich möchte dieses Bild perfekt
kopieren, sondern

37:33.200 --> 37:37.080
ich möchte verstehen, warum
dieses Bild funktioniert.

37:38.880 --> 37:41.880
Dieser kleine Unterschied verändert
alles.

37:42.400 --> 37:46.320
Und plötzlich wird aus einer Kopie
ein Forschungsprojekt.

37:47.040 --> 37:48.480
Aus Nachmachen.

37:48.480 --> 37:52.120
Das Lernen aus Bewunderung
und Erkenntnis.

37:52.840 --> 37:56.360
Und genau darin
liegt die Bedeutung einer studie.

37:57.200 --> 38:00.200
Sie verbindet Vergangenheit
und Gegenwart.

38:00.720 --> 38:04.080
Sie verbindet einen Künstler,
der vor Jahrhunderten gelebt hat,

38:04.440 --> 38:08.000
mit einem Künstler,
der heute vor einer Leinwand steht.

38:09.040 --> 38:11.880
Sie zeigt
uns, dass die grundlegenden Fragen

38:11.880 --> 38:16.240
der Kunst zeitlos sind
Wie kann Licht dargestellt werden?

38:16.800 --> 38:18.800
Wie entsteht Tiefe?

38:18.800 --> 38:21.800
Wie können Farben Gefühle ausdrücken?

38:21.800 --> 38:24.240
Wie kann eine einfache Fläche

38:24.240 --> 38:27.240
eine ganze Welt erschaffen?

38:27.600 --> 38:29.480
Diese Fragen

38:29.480 --> 38:32.480
begleiten Künstler seit Jahrhunderten

38:32.800 --> 38:35.800
und sie werden auch
in Zukunft bestehen bleiben.

38:38.280 --> 38:41.280
Fassen wir Kuckucksgedanken zusammen.

38:42.200 --> 38:44.280
Die Burg auf dem Felsen ist

38:44.280 --> 38:47.280
nach dem Goldenen Schnitt
positioniert.

38:48.240 --> 38:51.240
Nicht exakt, aber gut genug.

38:52.560 --> 38:54.960
Das Licht kommt von der linken Seite

38:54.960 --> 38:58.320
und führt das Auge am Felsen hinauf
zur Burg.

39:00.640 --> 39:01.920
Die Baumgruppe

39:01.920 --> 39:04.920
sorgt mit linearer Perspektive

39:05.040 --> 39:08.040
für Tiefenwirkung.

39:08.520 --> 39:11.440
Die Ortschaft am Fuße der Felsen

39:11.440 --> 39:14.440
unterstreicht dies.

39:15.160 --> 39:16.200
Dahinter

39:16.200 --> 39:20.080
ein im Dunst verschwindender Berg,
der mit der Luft

39:20.080 --> 39:23.320
Perspektive seiner hellblauen
Farbe für

39:23.320 --> 39:26.320
noch mehr Tiefe sorgt.

39:27.240 --> 39:29.880
Die dunklen Felsen im Vordergrund

39:29.880 --> 39:32.240
leiten zusammen mit dem Ausläufer

39:32.240 --> 39:35.480
des Wissens
den Blick ins Bild hinein.

39:38.720 --> 39:41.000
Auch die Wolken am Himmel

39:41.000 --> 39:44.000
machen die Lichtrichtung noch einmal
deutlich.

39:45.240 --> 39:48.880
Der einzelne Baum auf der linken
Seite des Bildes

39:49.560 --> 39:52.680
sorgt
dafür, dass der Blick im Bild bleibt

39:53.280 --> 39:56.600
und an den Felsen
entlang zur Burg geleitet wird.

39:59.160 --> 40:01.400
Da ich hier das Bildformat

40:01.400 --> 40:06.600
18 mal 24 Zentimeter gewählt hatte,
musste ich auf

40:06.600 --> 40:10.320
einige kleine Personengruppen
aus der Vorlage verzichten.

40:11.600 --> 40:14.600
Eine Einzelperson ist übrig
geblieben.

40:18.640 --> 40:21.160
Zum Abschluss
möchte ich euch einladen,

40:21.160 --> 40:24.360
eure Gedanken zu diesem Video
mit mir zu teilen.

40:26.760 --> 40:30.640
Welche Erfahrungen habt ihr mit dem
Studium der Alten Meister gemacht?

40:31.440 --> 40:34.080
Gibt es einen Künstler,
dessen Arbeitsweise

40:34.080 --> 40:36.600
euch besonders inspiriert?

40:36.600 --> 40:41.120
Oder gibt es ein Gemälde, das ihr
schon immer einmal verstehen wolltet?

40:43.240 --> 40:46.200
Schreibt es gerne in die Kommentare.

40:46.200 --> 40:49.680
Mich interessiert besonders,
welche Künstler euch begleiten

40:49.680 --> 40:54.560
und welche Werke euch dazu gebracht
haben, selbst zum Pinsel zu greifen.

40:56.920 --> 40:57.280
Wenn euch

40:57.280 --> 41:00.280
diese
Verbindung aus Landschaftsmalerei,

41:00.280 --> 41:03.600
Kunstgeschichte
und praktischer Ölmalerei gefällt,

41:04.480 --> 41:07.600
freue ich mich,
wenn ihr den Kanal abonniert.

41:09.200 --> 41:10.640
Es gibt noch viele Künstler,

41:10.640 --> 41:13.880
deren Wissen und Erfahrung darauf
warten, entdeckt zu werden.

41:15.000 --> 41:18.320
Vielleicht ist genau das
die schönste Lektion,

41:18.760 --> 41:22.080
die uns
dieser alte Meister hinterlassen hat.

41:23.000 --> 41:26.760
Ihr mal nicht nur
um etwas sichtbar zu machen im Malen,

41:26.760 --> 41:30.640
um etwas mit der universellen Sprache
der Malerei darzustellen.

41:31.520 --> 41:35.120
Einer Sprache, die überall
auf der Welt verstanden wird.

41:38.680 --> 41:41.360
Das Gemälde ist nun vollendet.

41:41.360 --> 41:43.920
Ich hoffe, es hat allen gefallen.

41:43.920 --> 41:47.520
Weitere Malvideos
gibt es in der Mediathek des Senders

41:48.120 --> 41:50.880
oder auf meinem YouTube Kanal.

41:50.880 --> 41:53.880
Wer neue Beiträge
nicht verpassen möchte,

41:54.080 --> 41:58.080
sollte sich den Link notieren
und den Kanal abonnieren.

41:58.880 --> 41:59.480
Bis bald.
